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Glettler Hermann Bischof Osterartikel 2021 1Diözesanbischof MMag. Hermann Glettler liegt als Referatsbischof für Ehe und Familie in der Österreichischen Bischofskonferenz das Wohl unserer Bevölkerung sehr am Herzen. Er selbst entstammt einer Bauernfamilie und kennt den Wert unserer Familie als Zelle des Staates, aber auch für unsere Gesellschaft. Mit dem Josefitag am 19. März begann das „Jahr der Familie“. Dazu führt Bischof Glettler aus :“Wie unersetzbar wertvoll Familien sind, ist vielen in der Corona-Krise wieder bewusst geworden. Mit Homeschooling, Homeoffice, Pflege von erkrankten Angehörigen und vielem mehr haben Familien in letzter Zeit enorm viel geleistet. Einige haben sich durch das überraschende Plus an Zeit füreinander neu gefunden. In anderen Familien, gerade bei beengtem Wohnraum, hat das Aufeinander-kleben das Gegenteil bewirkt. In jedem Fall sind Familien Auffangbecken für alles, was Kinder und Erwachsene an Lasten zu tragen haben. Durch das „Jahr der Familie“, das anlässlich des 5-jährigen Jubiläums des nachsynodalen Schreibens „Amoris laetitia“ von Papst Franziskus ausgerufen wurde, soll ein herzhaftes Lobbying für Familien in unserer Gesellschaft verstärkt werden.

Sie sind die notwendigen Start-Ups, Lernorte für den sozialen Zusammenhalt und Selbstverantwortung. Weil Gott selbst in einer Familie Menschen geworden ist, hat alles, was Familien betrifft, auch mit Gott zu tun.“ Sodann ermutigte der Bischof die Familien, ihren Weg trotz aller Schwierigkeiten mit Zuversicht zu gehen. Familien, wie auch immer die konkreten Konstellationen und Patchwork-Situationen ausschauen, sind die Frischzellen unserer Gesellschaft. Im eben erst begonnenen „Jahr der Familie“, das bis zum internationalen Familientreffen im Juni 2022 in Rom dauern wird, gibt es ein großes Angebot für Familien. Dazu Glettler wörtlich:“Bitte unbedingt jetzt schon die Website www.jahrderfamilie anklicken und hineinschnuppern. Es ist die österreichische Plattform für alle Familienangebote der Diözesen, des Katholischen Familienverbandes und der geistlichen Gemeinschaften.“

Wir befinden uns im ermüdenden zweiten Jahr der Pandemie. In der Bevölkerung ist viel Empörungsbereitschaft und Nervosität. Bei einigen sind die Batterien der Geduld leer. In diesem Zusammenhang bat Bischof Hermann, dass wir die sozialen, wirtschaftlichen und vor allem psychischen Belastungen ernst nehmen, aber uns auch nicht in eine noch größere Dramatik hineinreden. Mit Sicherheit braucht es etwas von dem Geist, der uns genau vor einem Jahr ausgezeichnet hat: Ein Geist der Aufmerksamkeit und der Wertschätzung füreinander. Die überreizte Suche nach Schuldigen ist nicht klug – bei allem Verständnis für Frust und Müdigkeit. Wir können uns in der immer noch angespannten Situation keine Polarisierung der Gesellschaft leisten.“

Zum Thema Schöpfungsverantwortung, bei dem es leider eine gefährliche Atempause gibt, sagte Bischof Glettler, dass wir bei aller Aufgeregtheit um das Corona-Thema nicht vergessen dürfen, dass unserem Planeten Erde keine Atempause gegönnt wird. Die Klimaerwärmung schreitet rapide voran. Dagegen wird es keine Impfung geben. Wir brauchen noch weit mehr ökologisches Bewusstsein und viel Mut für effektive Schritte in der Veränderung unseres Lebensstils. Da hilft nichts anderes. Das Wohlstandsniveau, auf dem wir uns bewegen, wird durch den damit verbundenen Raubbau an Ressourcen, Klimabelastung und Produktion von Müll die uns anvertraute Schöpfung immer weiter belasten.

Es scheint, so Bischof Hermann, dass schon viele im aktuellen „Petrus-Canisius-Jahr“ Feuer gefangen haben. „500 Herzfeuer des Glaubens und der Nächstenliebe zu entzünden, ist nach wie vor ein ehrgeiziges Ziel, aber es schaut so aus, dass wir es schaffen könnten.“

Der Bischof wünscht sich viele Gesprächsforen zum Thema „In Würde leben, in Würde sterben“. Deshalb ist auch mit der Entscheidung des VfGH-Urteil tatsächlich eine ganz gefährliche Tür aufgestoßen worden, die wir leider nicht mehr schließen können. Als Kirche werden wir die Beihilfe zur Selbsttötung nie gutheißen können.

Die mögliche Unterbringung von Familie aus dem Flüchtlingslager in Lesbos hängt einzig und allein von unserer Bundesregierung ab. Bei diesem Thema, so der Bischof, geht es nicht um eine grundsätzliche Flüchtlingsdebatte, sondern um eine humanitäre Nothilfe, die wir eigentlich niemandem verweigern dürfen. Fast die Hälfte der 7500 Menschen im Flüchtlingslager von Lesbos, das der Bischof vor Weihnachten besuchte, haben schon einen positiven Asylbescheid erhalten. Sie müssen früher oder später in Europa fair verteilt und aufgenommen werden. Sie jetzt im Elend festzuhalten, ist eine unverantwortbare Abschreckungspolitik. Die Irak-Reise von Papst Franziskus bezeichnete Glettler als eine hochriskante Friedensmission. Sie, die ein Tor der Hoffnung für den Nahen und Mittleren Osten weit aufgerissen hat – ist ohne Übertreibung ein weltgeschichtliches Ereignis. Beeindruckt hat den Bischof die Sanftmut und Klarheit unseres Papstes inmitten einer politisch angespannten und durch den islamistischen Terror grausam verwundeten Region.

Schließlich wünschte der Bischof allen Landsleuten nördlich und südlich des Brenners ein schönes, entlastendes Osterfest: “Die Freude darüber, dass Jesus auferstanden ist und uns allen seine Hand zum Aufstehen und Neubeginnen reicht, soll uns ermutigen. Bei Gott haben wir eine definitive Zukunft, die uns nicht genommen werden kann.“

Dr. Heinz Wieser