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Motto: "Gott würfelt nicht"

Glettlerr Hermann Bischof Diözesanbischof Mag.Mag. Hermann Glettler hielt am 31. Dezember im Dom zu St. Jakob in Innsbruck bei der unter Asisstenz von Propst Prälat Dr. Florian Huber und Diakon Dr. Reinhold Mitterer gehaltenen Jahresschlussandacht eine vielbeachtete, lebensnahe und großartige Silvesterpredigt unter dem Motto "Gott würfelt nicht!" Er bezog sich dabei auf das das lustige und mindestens so nervige Brettspiel "Mensch, ärgere Dich nicht!" "Dieses Spiel ist mir auch deshalb in den Sinn gekommen, weil zum diesjährigen Jahreswechsel sehr viel Ärger in der Luft liegt, viel Gereiztheit und Empörung", sagte der Bischof. Er meinte, daran sei nicht nur die Impf-Debatte Schuld.

Mit bloßen Appellen zum Runterkommen und kollektiven Innehalten ist es leider nicht getan. Vielleicht kann das kindliche Spiel etwas Entkrampfung bringen – denn das Ärgerliche am Ärger ist ja meist der Ärger selbst. "Mensch, ärgere Dich nicht!" fühlt sich auch wie eine Paraphrase auf die politischen Um-, Nach- und Neubesetzungen des Jahres an. "Was ist denn jetzt schon wieder passiert?"

Der Bischof dazu wörtlich: "Diese Frage unseres Bundespräsidenten vom 8. Oktober kam aus dem Herzen der Nation und gehört bereits zum Sprachschatz der jüngsten Politikgeschichte. Jedenfalls hohe Volatilität – Unberechenbarkeit und Schwankungsbereitschaft. Notgedrungener Weise mussten wir dieses Fremdwort lernen. Sei´s drum. Wir würfeln jetzt und schauen, was die Zahlen von 1 bis 6 bedeuten könnten."


Und dann erfolgte eine unwahrscheinlich spannende bischöfliche Ausführung zur Bedeutung der Zahlen des Würfels von 1 bis 6, eine beeindruckende lebensnahe, aber auch gleichzeitig theologische fundierte Betrachtung: So hat beispielsweise die Supernote 1 viel Freude und Stress am Gewissen, befriedigter Ehrgeiz und viele Tränen, wenn es nicht gereicht hat. Zumindest in Religion und Betragen musste ein 1er im Zeugnis stehen. Die Zahl 2 steht für Beziehung, für das Du, für den Nächsten, der ebenso ein menschliches Antlitz trägt. 2 ist die Zahl für das heiß ersehnte personale Gegenüber, denn es ist nicht gut, "dass der Mensch allein ist", wie es schon in der Genesis heißt. Beziehung ist mehr als eine Addition von zwei "Einsheiten".

Die 3 gilt in der Zahlenspekulation bei fast allen Völkern als heilig. Sie integriert die unteilbare Eins und die Zwei, die für Vielfalt steht – schon Hinweis auf den Dreifaltigen Gott, der in sich Einheit und Gemeinschaft zugleich ist. 4 Lockdowns haben wir in diesem Jahr durchgemacht – mit sehr unterschiedlichen Empfindungen. Sie reichen vom heilsamen Weniger an Veranstaltungen und Verpflichtungen bis hin zur Totalüberforderung, wenn Home-Office, Home-Schooling und Home-Nähe in der kleinen Wohnung zur unerträglichen Belastung wurden – und all das durch 4 Jahreszeiten hindurch.

4 ist die typische Zahl für die Welt, die so faszinierend und in ihrer Schönheit so zerbrechlich, gebildet aus den 4 Elemente: Wasser, Luft, Erde und Feuer. Fünf war immer eine Katastrophe.

Wer wollte schon mit einem Fünfer heimkommen? Schande, Enttäuschung, Lernziel nicht erreicht, Ungenügend! Im Real-Life ist das Kämpfen-Müssen den Menschen zugutegekommen. Kämpfen und Sich-Aufrichten. Ich habe in meinem Leben viel von Menschen gelernt, die sich aus Suchterkrankungen und anderen Katastrophen befreien konnten. Sie sind mit durch ihre Empathie und Sorge für andere, die im selben Dreck stecken, zum Vorbild geworden. Nach jedem 5-er gibt es bei Gott eine Aufsteh-Hilfe!", so der Bischof. "Es ist 5 vor 12!" Oder längst schon "5 nach 12".

Die 6 ist die Hälfte von Zwölf, die für die absolute Heiligkeit Gottes steht. Wir verdanken sie dem Faktum, dass sich der Heilige Gott selbst in unser kleines, verwundbares Leben mit Haut und Haar eingeschrieben hat. Papst Franziskus macht uns auf die anonyme Heiligkeit in der Nachbarschaft aufmerksam. So viel an Großzügigkeit, Güte und Fürsorge wird von Leuten gelebt, die dafür keine religiösen Etiketten benützen. Abschließend sagte Bischof Herrmann Glettler: "So haben wir uns nun durchgewürfelt – im Zahlenkarussell von 1 bis 6.

Rausfliegen und Neustarten gehören zum Spiel – Mensch ärgere Dich nicht! Keine Wegstrecke war umsonst, keine kleine oder große Zahl am Würfel unnütz. Wichtig ist das Vorangehen, auch wenn es uns nicht selten selbst "zerwürfelt". Letztlich dürfen wir einmal mit allen Stöpseln bei Ihm landen. "Gott würfelt nicht." Diese Aussage von Albert Einstein ist zwar kein Glaubensbekenntnis des revolutionären Physikers, aber doch ein Hinweis. Wir werden von Gottes Vorsehung geführt und nicht von einem zynischen Würfelspiel des Schicksals. So würfeln wir weiter – mit Gottes Segen hinein ins Neue Jahr – und ärgern uns hoffentlich nicht zu viel!"


Dr. Heinz Wieser